Scars On Broadway- Wie man mit Melodien arbeitet
geposted am: 25.08.2008 von: ROCKALARM
System Of A Down liegen auf Eis. Sänger Serj Tankian hat sein Solo-Album bereits letztes Jahr veröffentlicht und nun legen auch die Protagonisten Daron Malakian und John Dolmayan nach. Scars On Broadway nennt sich der neue Wurf. Lange Zeit kursierten die Gerüchte und nun liegt das selbstbetitelte Debüt vor. Wer System Of A Down möchte, wird Scars On Broadway lieben. Soundtechnisch an die Balladen wie "Lonley Days", werden einem Songs präsentiert, die derart eingängig sind, dass man nun erahnen kann, wer den melodischen Teil bei System Of A Down beigesteuert hat. Dennoch fehlen den Songs die "wahnsinnigen Momente" nicht.
"Ich bin mir dessen bewusst, dass viele Menschen auf System Of A Down schauen und sich fragen, was und wann Etwas zu erwarten ist", gibt Daron offenkundig zu. Dennoch redet er ungern über System Of A Down. "Es ist einfach so, dass hier was Neues betrachten und diese Band nicht nur ein Projekt ist. Ich habe sehr viel Zeit für das Songwriting aufgebracht und nun kann ich stolz auf Songs schauen, die mich und meine Musik spiegeln. Den Wahnsinn, welcher bei System Of A Down anzutreffen war, sollte bewusst reduzieren werden. Ich stehe nun an einem anderen Punkt als Songwriter, als dies vor einigen Jahren noch der Fall war. Ich denke einfach, dass es etwas völlig Neues ist und hoffe, dass dies auch so verstanden wird. Sicher werde ich immer einer der Jungs sein, die bei System Of A Down spielen, aber wir reden hier keinesfalls über eine Band, die als Lückenfüller fungieren soll. Es ist schön, wieder von unten zu beginnen und die Band nach vorne zu bringen. Ich habe nun eine Band gefunden, mit der das Touren und Musizieren enorm viel Spass macht. "
Umbesetzungen gab es in der Vergangenheit einige und bevor die ersten Töne zu hören waren, schüttelte man eher den Kopf über das Personal-Karussell. Da war Amen- Frontmann Casey Chaos am Start und auch Studiomusiker Zach Hill, der nebenbei seine Brötchen beim Deftones- Seitenprojekt Team Sleep verdient, war ein Mann der ersten Stunde. Daron schüttelt den Kopf und erklärt wie Alles kam. "Es wurden Namen genannt. Sicher auch aus der Not heraus, da ich auf die neue Band angesprochen worden bin. Casey wollte unbedingt mitmachen, letztendlich verlief sich aber Alles im Sande, da wir doch unterschiedliche Auffassungen darüber hatten, wie wir die Band umsetzen. Es fiel kein böses Wort und wir haben auch heute noch Kontakt. Es ging eher darum wo man mit der Musik hin will und wie man welche Musik transportiert. Da unterscheiden wir uns einfach zu sehr."
Daron hat viele Gesichter. Seine Affinität zu skandinavischem Death- Metal machte er bereits in der Vergangenheit deutlich und sicher hat der ein oder andere Fan genau solche Musik nun erwartet. "Nein, das liegt nicht in meiner Natur. Sicher, ich werde mit viel Musik konfrontiert und höre auch privat sehr viel, aber um ganz ehrlich zu sein, wären solche Songs wie jetzt auch auf dem nächsten System Of A Down- Album zu finden, wenn wir uns nicht für die Auszeit entschieden hätten." Daron spielt auf Elemente an, die streckenweise aus der Feder von den Beatles hätten stammen können. "Wir reden immer noch von einer der wichtigsten Bands die es jemals gab. Das ist dann selbstverständlich eine Ehre für mich, wenn man eine solche Band in einem Atemzug mit meiner Musik nennt. Wobei ich sagen muss, dass ich mich einfach in diese Richtung entwickelt habe und nun nicht versucht habe, eine Band zu kopieren oder in eine gewisse Richtung mit meinem Songwriting zu gehen. Es kam Alles so, wie es kommen musste." Liegt auf der Hand, wenn man sich Mesmarize und Hyptnotyse anschaut und sich vor Augen hält, dass Daron bei den letzten beiden Alben nicht nur musikalisch wichtige wurde, sondern auch immer mehr Texte geschrieben hat. "Lonley Days zeigt, wie ich zu Melodien stehe. Ich liebe sie und ich werde wohl die nächste Zeit viel mit Melodien arbeiten."
Dennoch kann nicht die Rede davon sein, dass man es mit einem Pop-Album zu tun hat. Songs wie "Enemy" (Discobeats mit zweistimmigem Gesang) und "Serious" (Punk-Elemente) zeigen die Vielfalt, welche in den 15 Songs stecken. Songs, die musikalisch überzeugen und textlich Verwirrungen entfachen. "Ja, das ist sicher einer der Unterschiede, die zwischen Serj und mir zu verzeichnen sind. Er ist politisch korrekt und zeigt mit dem Finger auf Missstände. Ich dagegen singe über Dinge, die teilweise nicht ernst gemeint sind, bzw. die von meiner Seite mit Wörtern umschrieben werden, die sicher einige Leute vor den Kopf stossen. Wie es dazu kommt, dass ich Dinge genau in diese Wörter packe, kann ich Dir beim besten Willen nicht sagen. Das liegt wohl schon immer in der Natur meinerseits." Wenn man Daron begegnet kommt man nicht mal ansatzweise auf die Idee, dass es sich hier um einen leicht unberechenbaren Menschen handelt. Sanfter Händedruck, sanftes Lächeln und spätestens mit einem Joint in der Hand wirkt er sitzend wie ein kleiner Buddah. "Genau darum geht es! Schau Dich um, Alles was den Menschen vermittelt wird, wird auf der anderen Seite wieder verboten. Sei es Sex, Drogen und eine Moral, die an Verlogenheit seinesgleichen sucht. Ich muss sicher nicht auf politische Missstände aufmerksam machen, wenn unser alltägliches Leben schon von Scheinheiligkeit und Doppel-Moral gekennzeichnet ist. Gewiss sind viele Dinge ein Wort wert, aber man sollte auch den Spass und die Möglichkeit nicht vergessen, mit der man Menschen mittels Musik glücklich machen kann."
Ohne Frage schaffen dies Scars On Broadway. Live überzeugt man durch tightes Spielen und einem Sound, der zeigt, dass es sich hier um gestandene Profis handelt, die nicht nur auf Platte gut klingen. "Ja, schau Dich mal um! Wie viele Bands gibt es, die aus dem Studio kommen und ein gut produziertes Album vorweisen können, live aber ein Katastrophe sind. Wir dagegen versuchen auf er Bühne zu überzeugen und das Album als Basis für die Fans zu sehen." Top- Produzenten wurden zwar angeschaut, letztendlich nahm man aber selbst das Zepter der Produktion in die Hand. "Was soll ein Produzent aus einem Song machen, der einfach nicht funktioniert? Gewiss hatten wir etliche Produzenten, die unser Album machen wollten, aber darauf kam uns nicht an. Wir wollten so beginnen, wie jede andere neue Band auch beginnt. Von ganz unten und in der Hoffnung, dass die Fans es zu würdigen wissen, was wir machen." Grosse Worte und sicher auch ernst gemeint, dennoch muss gesagt werden, dass wir hier nicht von einer Schülerband reden, die sich eben formierte und krampfhaft versucht, mittels schäbiger Demos, aus dem tristen Proberaum zu entfliehen. "Ja, ich weiss, dass ich mit einer anderen Band viel Geld verdient habe und auch kein Druck auf meine Schultern lastete. Ich habe sicher auch mehr Ahnung, wie eine Produktion abläuft, als manch anderer Musiker, dennoch ist es mir wichtig, dass man sich vor Augen hält, wie Alles kam und wie lange wir dran gearbeitet haben. Die Songs sind teilweise schon alt und ich habe sie immer wieder aus der Schublade gezogen um an ihnen zu arbeiten. Man wusste immer, dass ich im Moment an Songs dran bin, letztendlich hat sie aber niemand gehört bis ich damit fertig war. Dann konnten sie aber alle hören und die Meinung meiner Mitmenschen war mir auch sehr wichtig. Alleine bei "They Say" hatte ich mir im Vorfeld fast in die Hose gemacht." Daron erzählt davon, dass er mit seinem Auto in Los Angeles unterwegs war und ein Radiosender die erste Single "They Say" gespielt haben. "Das Witzige an der Sache war, dass wir zu diesem Zeitpunkt noch kein Label hatten und der Song dennoch gespielt wurde. Erst daraufhin waren die Labelgespräche. Ich war damals so glücklich, dass nicht nur ich den Song gut fand, dass ich während der Autofahrt noch meine Mutter und meine Grossmutter angerufen habe und ihnen sagt, dass sie sofort den Radio anstellen sollen." Danach ging alles schnell. Vertragsgespräche, Studio und erste Auftritte in Amerika, die gefeiert wurden. "Sicher liegt es an den eingängigen Melodien, dass die Menschen mittanzen konnten, wobei die Songs für sie unbekannt waren. Aber genau da liegt der Reiz: Menschen bewegen mit dem was man macht. Und dieses Gefühl wieder zu haben, ist eins der schönsten, die ich jemals hatte."
Bereits im Juni wurden zwei Clubshows gespielt, um die Zeit zwischen den Promotiontermine zu überbrücken. Und ohne grosse Werbung, waren die Clubs in Berlin und Köln gut besucht. Weitere Chancen, sich die Band diese Tage anzuschauen, sind auch da. Man bespielt im September die grössen Hallen. Tip: Hingehen! Es lohnt sich auf jeden Fall.



Keine Kommentare gefunden
Um diese Funktion nutzen zu können, musst Du Dich entweder einloggen oder registrieren!